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Orgeldenkmalpflege in Österreich

 

Es ist gar nicht so lange her, daß man den Wert historischer Orgel erkannt hat und wertvolle Instrumente erhält. Wie Vieles unterliegt auch die Orgel als technisches und tönendes Gerät modischen Vorstellungen. So gesehen, müßte jede Orgel alle dreißig Jahre ersetzt werden, da diese Vorstellungen einem raschen Wandel unterworfen sind. In früheren Jahrhunderten wurden die Instrumente auch tatsächlich jeweils den neuen Erfordernissen entsprechend umgebaut, erweitert, ersetzt. Heute weinen wir so mancher barocker oder romantischer Orgel nach, die undokumentiert einfach abgerissen wurde. Dennoch sind wir eben dabei, Orgeln der letzten fünfzig Jahre die Daseinsberechtigung abzusprechen. Hier setzt die Denkmalpflege ein, besonders interessante und zeittypische Instrumente der Nachwelt als sogenannte "Klangdenkmäler" zu erhalten.  In den Denkmalschutzgesetzen der Staaten sind die Kriterien genau geregelt, so eben auch in Österreich, das in Bezug auf die Orgel sehr strenge Bedingungen festgesetzt hat - kurz gesagt, jede Orgel steht als Teil der Kirchenausstattung unter Denkmalschutz (auch jede neue) wenn nicht Erhaltungswürdigkeit per Bescheid des Bundesdenkmalamt aufgehoben wird. Anton Holzapfel hat zu diesem Thema eine grundlegende Magisteriumsarbeit erstellt, in der die historischen Gegebenheiten und die Kriterien eingehend erörtert werden1. Seine Darlegungen sind in den folgenden Text (auch auszugsweise) integriert.

 

Historische Grundlagen

Überlegungen für eine konkrete Orgeldenkmalpflege gibt es erst seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Albert Schweitzer war einer der Ersten, der derartige Gedanken äußerte. Im Jahre 1909 wurde in Wien im Beisein Schweitzers ein „Internationales Regulativ für den Orgelbau“ erarbeitet, das sich hauptsächlich mit Fragen von Orgelneubauten beschäftigte, jedoch auch bereits Anregungen in Richtung Denkmalpflege enthielt.

Christian Mahrenholz und Willibald Gurlitt machten in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg auf die Bedeutung der historischen Orgeln aufmerksam, sie wurden zu Leitfiguren der sogenannten Orgelbewegung,

Christian Mahrenholz verfaßte 1925 eine Denkschrift an den Landesbischof von Hannover. Anläßlich des 19. Tages für Denkmalpflege und Heimatschutz hielt Willibald Gurlitt ein Referat über den „musikalischen Denkmalwert der alten Musikinstrumente, insbesondere der Orgeln“ und lieferte damit die geistesgeschichtliche Begründung für die Orgeldenkmalpflege. Im Rahmen der Veranstaltung wurden folgende Forderungen aufgestellt, die natürlich noch zu wenig weit gingen und nicht viel Effizienz brachten:

Es sollte ein bedingter Denkmalschutz nur für Gehäuse und Prospekt eingeführt werden, die noch vorhandenen Zeugen der Orgelbaukunst vor 1800 aber nur so lange erhalten werden, bis die Orgelhistoriker sie für ihre Zwecke untersucht und aufgenommen hätten. Einer späteren Veränderung bzw. einem Abbruch stünde hernach aber nichts im Wege!

1928 erschien in Wien ein Artikel von Oskar Eberstaller: „....wie man das Gute eines alten Werkes retten und doch die Vorzüge einer modernen Orgel erreichen kann...“. Er schlug vor Barockorgeln so umzubauen, daß „der Charakter der alten Orgel nur eine Bereicherung, nicht aber eine entscheidende Änderung erfährt“.

1938 referierte auf der Zweiten Freiburger Orgeltagung Johannes Mehl über Die Denkmalpflege auf dem Gebiet der Orgelbaukunst. Seine Ansicht, daß man bedenkenlos die Klaviaturen auf heutige Umfänge erweitern sollte, wurde langezeit in die Praxis umgesetzt. Insbesondere galt dies für das  Pedal, das als kümmerliches Baßklavier auch keinen Anspruch auf unbedingten künstlerischen Denkmalschutz hat. Die Klaviaturerweiterung an historischen Orgeln wird von vielen Organisten immer noch gefordert, ist ein längst überholtes Gedankengut. Selbstverständlich wird von einem Organisten heute verlangt, daß er mit den historischen Klaviaturumfängen (einschließlich kurzer oder gebrochener Unteroktav) vertraut ist.

Mit der Gründung der Gesellschaft der Orgelfreunde (GdO) wurden die Gedanken über die Erhaltung historischer Orgeln institutionell unterstützt. Unter dem GdO-Vorsitzenden Walter Supper veranstaltete die GdO 1957 in Weilheim eine Tagung zur Orgeldenkmalpflege und erstellte das Weilheimer Regulativ. 1970 erfolgte eine Neufassung des Weilheimer Regulativs in Zürich, gegenwärtig wird in einem eigenen Ausschuss über eine neuerlich Revision des Regulativs beraten. Kernpunkt aller Regelungen ist die Anerkennung der Orgel als "Klangdenkmal". Dieser Begriff ist heute vor allem auch in der Gesetzgebung allgemein gebräuchlich, er birgt allerdings Unklarheiten in sich: dementsprechend könnten ja nur die Windladen und das Pfeifenwerk als erhaltenswert angesehen werden, in den meisten Fällen ist die Orgel aber ein Gesamtkunstwerk, in dem auch die technischen Teile (das Gehäuses sowieso) Denkmalwert besitzen. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war nur der Orgelprospekt Gegenstand allgemeinen denkmalpflegerischen Interesses, das Grehäuse weckt das spezielle Interesse der Kunsthistoriker, die Musiker waren noch nicht gefragt.

 

Anfänge der Orgeldenkmalpflege in Österreich

Um 1850 hat der Denkmalschutz in Österreich konkrete staatlich konzipierte Formen angenommen. Österreich hat damit in Europa beispielgebende Strukturen geschaffen.

 

Am 31. Dezember 1850 wurde die K.k.Central-Commission für die Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale eingerichtet. Es bestand nun Anzeigepflicht bei Funden, Ausfuhrverbot und Schutz von Archivalien. Die Erforschung der Denkmale wurde als vorrangige Beschäftigung eingeführt. In der Praxis konnte die Beschränkung auf Baudenkmale nie realisiert werden, deshalb erfolgte 1873 eine Umbenennung der Kommission in: K.k. Zentralkommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale. Der Kommission stand ein festes Budget zur Verfügung, womit finanzielle Zuwendungen - unter anderem auch zur Anschaffung neuer Orgeln - gewährt werden konnten. Exekutive Möglichkeiten standen nicht zur Verfügung.

Holzapfel erhob folgende Aktionen der Kommission:

1) 1906 trat die Zentralkommission dafür ein, das nicht mehr in Verwendung stehende gotische Orgelgehäuse der Domkirche (heute Stift) Seckau dem Steirischen Landesmuseum Joanneum in Graz zu übergeben. Der Ankauf wurde vom Ministerium für Kultur und Unterricht unterstützt. Es handelte sich um die Prospektfront und das Gehäuse der gotischen Orgel. Die Teile wurden eingelagert. Vor einiger Zeit wurden die Teile vergast, leider aber wurden unverständlicherweise davor die  künstlerischen Verzierungen der Vorderfront von den Lisenen abgenommen und die Lisenen selbst vernichtet. Die beiden Seitenwände und zwei innere Trennwände sind glücklicherweise erhalten.

2) In der Pfarrkirche St. Rochus (1030 Wien) wurde die Aufstellung einer neuen Orgel unter Beibehaltung des alten Orgelgehäuses mit einer Subvention in der Höhe von 18.107 Kronen unterstützt. Leider wurde dabei das historische Werk von Johann Bohack2 zugunsten einer (auch nicht mehr bestehenden) pneumatischen Orgel der Firma Rieger-Jägerndorf vernichtet.

 

1911 erfolgte schließlich die Errichtung des Staatsdenkmalamts, das mit einem Apparat von wissenschaftlichen und technischen Beamten ausgestattet wurde. In den Kronländern (und später) in den Bundesländern wurde das Staatsdenkmalamt von "Landeskonservatoren" vertreten.

 

Als 1917 und 1918 vom Kriegsministerium Metallbeschaffungsaktionen angeordnet wurden und insbesondere die Prospektpfeifen ebgenommen wurden, konnten Ausnahmen nur in Zusammenarbeit mit dem Staatsdenkmalamt bzw. dem zuständigen Landeskonservator erwirkt werden.


 

 

Am 25. September 1923 kam es endlich zur Verabschiedung eines Bundesgesetzes betreffend Beschränkungen in der Verfügung über Gegenstände von geschichtlicher, künstlerischer oder kultureller Bedeutung (Denkmalschutzgesetz), BGBl 1923/533. Dieses Gesetz bildet bis heute - wenn auch z.T. in novellierter Fassung - die Grundlage für die staatlichen Maßnahmen bezüglich Denkmalschutz. Prof. Josef Mertin war in der Folge ab 1931 als Gutachter für das Bundesdenkmalamt in Orgelfragen tätig.

 

1939 wurden die Pfarren aufgefordert, eine Beschreibung der Orgelwerke bei der Zentralstelle für Denkmalschutz abzugeben. Auf dieser Grundlage und nach einer neuerlichen Inventarisierung im Jahre 1944 wurden in vielen Orgel neuerlich Prospekte ("entbehrliche“ Register) ausgebaut.

 

Während und besonders kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erweckten die historischen Instrumente ein gesteigertes Interesse und unter den neuen Prämissen der Orgelbewegung wurden ein Reihe von Restaurierungen durchgeführt. Sie erfolgten nach dem damaligen Wissenstand, was bereits zu Revisionen führte - einige dieser Instrument harren noch der neuerlichen Revision nach heutigem Standard. Federführend für diese Restaurierungen war zunächst Prof. Mertin, in der Folge aber waren immer stärker auch die österreichischen Professoren (Hans Haselböck, Anton Heiller) in die Projekte eingebunden.

       Eisenstadt, St. Martin: Gottfried Mallek, 1776; rest. von Karl Schuke 1943

       Absam-Wallfahrtskirche: Orgel des 18. Jahrhunderts, umgebaut von Anton Aigner,

                    rest von Johann Pirchner 1948

       Wien, Franziskanerkirche,: Chororgel von Anton Wöckherl 1642,

                   rest. von Johann Pirchner 1950

       Klosterneuburg, Stiftskirche Festorgel von Scherer 1550, erweitert durch

Johannes Freundt 1642; rest. 1942-1951 von Wilhelm Zika, Th. Kuhn A.G, Johann. M. Kauffmann und Rieger (Schwarzach).

       Innsbruck, Silberne Kapelle: Orgel aus dem 16. Jh., rest. Neumann 1950-52

       Heiligenkreuz, Stiftskirche, Ignaz Kober 1804, rest.von Joseph Mertin

 

Wesentlichen Einfluss auf Restaurierungen aber auch Neubauten nahm in zunehmendem Maße  neben den erwähnten Professoren Ing. Egon Krauss (1905-1985). Aus seiner Feder stammen einige Anleitungen zur Denkmalpflege, so erschien 1950 die erste Auflage der vom BDA herausgegebenen Anleitung für die Denkmalpflege an Orgeln. Die dort formulierten Gedanken trugen in der Folge maßgeblich zur Herausgabe des Weilheimer Regulativs bei. Im Osten Österreichs war auch Prof. Alois Forer für das Bundesdenkmalamt tätig, Als Einzigem wurde ihm vom Ministerium der Titel "Konsulent" verliehen.

 

Im Zuge der Neuordnung der ministeriellen Wirkungsbereiche wurde das Bundesdenkmalamt im Jahr 1970 dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (bisher Bundesministerium für Unterricht) zugeordnet.

In den Bereich der staatlichen Maßnahmen ist auch die Gründung des Instituts für Organologische Forschung und Dokumentation (IOF) an der Musikhochschule (heute Musikuniversität) Wien zu zählen (einer Initiative von o.Prof. Alois Forer folgend). Dieses Institut wurde infolge der Gesetzeslage für Universitäten dem Großinstitut Institut für Orgel, Orgelforschung und Kirchenmusik als Bereich Orgelforschung eingegliedert.

 

 

Das geltende Denkmalschutzgesetz

(zitiert nach Anton Holzapfel))

 

Bundesgesetz, BGBl 1923/533, betreffend Beschränkungen in der Verfügung über Gegenstände von geschichtlicher, künstlerischer oder kultureller Bedeutung, i.d.F. BGBl 1959/92, 1978, 1988 und 1990

§ 1. (1) Die in diesem Bundesgesetz enthaltenen Beschränkungen finden auf von Menschen geschaffene unbewegliche und bewegliche Gegenstände (einschließlich Überresten und Spuren gestaltender menschlicher Bearbeitung sowie künstlich errichteter oder gestalteter Bodenformationen) von geschichtlicher, künstlerischer oder sonstiger kultureller Bedeutung (Denkmale) Anwendung, wenn ihre Erhaltung dieser Bedeutung wegen im öffentlichen Interesse gelegen ist.

(2) Darüber, ob ein öffentliches Interesse an der Erhaltung eines Einzeldenkmals, eines Ensembles oder einer Sammlung besteht, hat das Bundesdenkmalamt unter Bedachtnahme auf diesbezügliche wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu entscheiden.

 

Das Denkmalschutzgesetz (DMSG) enthält Gesetzesbefehle, Zerstörungen, Veräußerungen und Veränderungen von Denkmalen ohne denkmalbehördliche Genehmigung zu unterlassen. Die Beschränkungen des DMSG finden auf von Menschen geschaffene unbewegliche und bewegliche Gegenstände von geschichtlicher, künstlerischer oder sonstiger kultureller Bedeutung Anwendung.

 

Dabei ist zu beachten, daß nicht nur der kunsthistorisch interessante Prospekt, sondern auch das Orgelwerk in seiner Gesamtheit als „Klangdenkmal“ unter Denkmalschutz steht.

 

Zur Definition der unbestimmten Begriffe Geschichtliche, künstlerische und sonstige kulturelle Bedeutung

 

Geschichtliche Bedeutung ist begründet im Wert des Denkmals als Dokument einer bestimmten Entwicklungsstufe im Sein und Schaffen des Menschen schlechthin, aber auch im Zeugnischarakter für bestimmte Menschen, Ereignisse und Ideen der Vergangenheit, gleichgültig ob diese Funktion gewollt war oder nicht. Die Orgel als Dokumentarwerk für eine bestimmte Zeit.

Künstlerische Bedeutung liegt dann vor, wenn die gestalterischen Mittel der Hervorbringung des Objektes so geartet waren, daß sie ein bleibendes Ergebnis geistiger Schöpfung erbracht haben.

Kulturelle Bedeutung ist gegeben, wenn das Denkmal sonst Zeugnis für Formen, Erscheinungen und Errungenschaften des geistigen oder physischen Lebens des Menschen ist.

Einprägsamer und „benutzerfreundlicher“ sind folgende allgemeine Prinzipien der Denkmalpflege (modifiziert für Orgeln):

Künstlerische Gründe

Künstlerische Qualität
Entwicklungsgeschichtliche Bedeutung
Stellung im Schaffen eines bekannten Künstlers
Seltenheitswert als Vertreter eines Stils

Sonstige kulturelle Gründe/Technische Gründe

Wichtiges Zeugnis für die Entwicklung der Technik und Produktion
Qualität der Konstruktion und Herstellungsart
Handwerkliche oder technische Qualität der Ausführung
Unveränderte Erhaltung des Originalzustandes
Besonders guter Zustand

Geschichtliche Gründe

Bedeutung für die Geschichte der Musik und der Kirchenmusik
Bedeutung für Volkskunde und Heimatgeschichte
Bedeutung für den Kirchenraum und das Ensemble seiner Ausstattung
Symbolwert, gegebenenfalls stellvertretend für Kirche und Ortschaft
Ist die technische Gesamtkonzeption, die Qualität der handwerklichen Ausführung und die des Materials erhaltenswert?
Ist ihr künstlerischer Wert in Bezug auf Architektur, klangliche Aussage oder musikalische Verwendbarkeit der Spielanlage für die Zeit ihrer Erbauung bedeutsam?

Erfüllte die Orgel zur Zeit ihrer Erbauung die ihr gestellte Aufgabe?

Haben an dieser Orgel bedeutende Persönlichkeiten gewirkt bzw. an ihrer Gestaltung mitgewirkt?

Ist die Orgel integrierender Bestandteil der Inneneinrichtung der Kirche?

Hat die Orgel Seltenheitswert, z.B. durch besonders eigenartige Konstruktion oder durch geringe Zahl der Exemplare?

Orgeln befinden sich zumeist im Eigentum jener im § 2 erwähnten juristischen Personen.

§ 2. (1) Bei Denkmalen1) (§ 1 Abs. 1), die sich im alleinigen oder überwiegenden Eigentum2) des Bundes3), eines Landes3) oder von anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften4), Anstalten5), Fonds6) sowie von gesetzlich anerkannten Kirchen oder Religionsgesellschaften7) einschließlich ihrer Einrichtungen befinden, gilt das öffentliche Interesse an ihrer Erhaltung so lange als gegeben (stehen so lange unter Denkmalschutz), als das Bundesdenkmalamt nicht auf Antrag8) des Eigentümers oder von Amts wegen (Abs. 2) das Gegenteil festgestellt hat.


Zu den sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts zählen (u.a.)

Gemeinden,

Sozialversicherungsträger

die Österreichische Akademie der Wissenschaften,

die Österreichische Hochschülerschaft.

Die gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften genießen die Stellung öffentlich rechtlicher Körperschaften ohne im strengen Sinn solche zu sein. Konsequenterweise werden sie im DMSG auch extra erwähnt.

Folgende Kirchen und Religionsgesellschaften sind gesetzlich anerkannt:

 Römisch-katholische Kirche in Österreich

Evangelische Kirche A. und H.B.

Altkatholische Kirche

Griechisch-orientalische Kirche in Österreich

Israelitische Religionsgesellschaft

Methodistenkirche in Österreich

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, österreichischer Distrikt (Mormonen)

 Armenisch-apostolische Kirche in Österreich

 Neuapostolische Kirche in Österreich

Islam nach hanefitischem Ritus

Evangelische Brüderkirche (RGBl 1880/40) - heute keine Kultusgemeinde mehr in Österreich

 
All jene Orgeln, die im Eigentum „Privater“ (d.h. nicht jener im § 2 erwähnten Eigentümer)

stehen, sind nach den Bestimmungen des § 3 zu beurteilen.

§ 3. (1) Bei Denkmalen, die nicht kraft gesetzlicher Vermutung unter Denkmalschutz stehen (§ 2 Abs. 1, § 6 Abs. 1), gilt ein öffentliches Interesse an ihrer Erhaltung erst dann als gegeben, wenn sein Vorhandensein vom Bundesdenkmalamt durch Bescheid festgestellt worden ist (Unterschutzstellung durch Bescheid).

Im Weilheimer Regulativ werden folgende Termini unterschieden:

Pflege, Konservierung, Reparatur, Restaurierung, Rekonstruktion, Ergänzung, Erweiterung, Umbau und Abbau.

Pflege heißt Kontrolle, Nachstimmung und Behebung kleinerer technischer Mängel unter strenger Wahrung der Originalsubstanz.

Konservierung heißt Bewahrung vor Verfall und beinhaltet Reinigung, Schädlingsbekämpfung und Beseitigung technischer Mängel unter Beibehaltung des vorgefundenen technischen und klanglichen Zustandes des Werkes.

Reparatur heißt Instandsetzung schadhafter Teile unter weitgehendster Wahrung der Originalsubstanz. Eine Auswechslung „irreparabler“ Teile kann erfolgen, diese müssen jedoch aufbewahrt werden. Sie dienen als Beleg und können eventuell durch künftige Restaurierungstechniken wieder brauchbar gemacht werden.

Restaurierung heißt Rückführung einer veränderten alten Substanz in einen beweisbaren früheren Zustand. Im allgemeinen wird man versuchen, den letzten in sich geschlossenen und belegbaren Zustand wieder zu erreichen.

Rekonstruktion heißt Nachbau verlorengegangener originaler Teile und ist überwiegend Bestandteil einer Restaurierung.

Ergänzung heißt Nachbau verlorengegangener Teile, deren originale Bauweise nicht belegbar ist.

Erweiterung heißt Hinzuführung ursprünglich nicht vorhandener Teile.

Umbau heißt Veränderung unter Verwendung der historischen Substanz.

Abbau heißt Entfernen einer Orgel aus ihrem ursprünglichen Aufstellungsraum.

 

[Zitat Ende]

 

Gegenwärtige Rechtspraxis

 

Viele Jahre lang wurden die historischen Orgeln von Landeskonservator Dr. Werner Kitlitschka in Form eines Referates betreut. 1981 wurde die Abteilung für Klangdenkmale gegründet und [Reg.Rat] Ing. Walter Brauneis mit der Leitung betreut. Nach dessen Pensionierung im Jahre 2002 übernahm Generalkonservatorin HR Dr. Eva-Maria Höhle die Exekutive der Orgeldenkmalpflege Als Koordinator stand ihr der Autor zur Verfügung (von Oktober 2002 bis Juli 2004). Nach einer Neuausschreibung wurde die Abteilung für Klangdenkmale reaktiviert und Mag. Gerd Pichler mit der Leitung der Abteilung betraut. In sehr starkem Ausmaß sind neben den Orgeln die denkmalpflegerischen Belange von Geläuten und Turmuhrwerken zu betreuen.

 

Wichtig in der Verfahrensabwicklung ist die Trennung von Gehäuse und Prospekt vom eigentlichen Orgelwerk. Für Restauriermaßnahmen am Gehäuse ist der jeweilige Landeskonservator, für das Orgelwerk die Abteilung für Klangdenkmale zuständig. Von dieser Abteilung werden sämtliche Restaurierungen, Genehmigung von Veränderungen und die Feststellung der Denkmalwürdigkeit behandelt. Reinigungen und Instandsetzungen ohne Substanzveränderung bleiben in der Verantwortung der Kirchenmusikreferate und deren Orgelreferenten. In der Regel wendet sich die Pfarre an den Orgelreferenten der Diözese, der erstellt ein diözesanes Gutachten und stellt bei Bedarf die Verbindung mit der Abteilung für Klangdenkmale her.

 

Gemäß § 52 Abs. 1 AVG hat das Bundesdenkmalamt „die der Behörde beigegebenen oder zur Verfügung stehenden amtlichen Sachverständigen (Amtssachverständige) beizuziehen". Dies sind in erster Linie die Fachbeamten des Bundesdenkmalamtes.

Als „Gutachter“ für Orgeldenkmalpflege sind derzeit Archiv.-Dir. Prof.Dr. Biba, Prof.Mag.Dr. Karl Schütz und Gottfried Allmer tätig. Deren Beauftragung erfolgt jeweils für einen konkreten Fall und umfaßt die Bestandsaufnahme (siehe Anm. zu § 5) der jeweiligen Orgel mit Vorschlägen zur Entscheidung über die Erhaltung, Entlassung, Restaurierfähigkeit, Restaurierwürdigkeit und geeignete Maßnahmen..

 

Empfohlener Link: (Fachabteilungen, Abteilung für Klangdenkmale)

 

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1) Anton Holzapfel: Orgel und Denkmalschutz, Schriftliche Arbeit nach § 38 zur Erlangung des Magisteriums an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien, 1993

2) Karl Schütz: Der Wiener Orgelbau in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts (Dissertationen der Universität Wien Bd.35, Druckfassung Verlag Notring, Wien 1969)

 

(Karl Schütz)